Wie ich vom Elektriker ohne jeden Dunst von Börse zum Börsen Junkie wurde

… und welche Rolle Elvis dabei spielte.

Eigentlich eine coole Geschichte, die ich in der Kurzfassung hier aufschreibe. Mit dem Erlebten könnte ich ein Buch füllen, denn manchmal fühle ich mich wie der Bear Grylls der Smallcaps.

1995 ging der Betrieb, in dem ich als Betriebselektriker gearbeitet habe, an die Börse. Im Zuge dessen konnten die Mitarbeiter zu vergünstigten Konditionen Aktien zeichnen. Aber was ist eine Aktie? Ich hatte nicht die geringste Ahnung. Irgendwas, womit man wenn man Glück hat Geld verdienen kann. Ich zeichnete um 15.000 Schilling. Binnen einiger Monate hatte ich 3000 Schilling verdient! Ich beschloss, dass Aktien eine tolle Sache sind, aber was wann und wo kaufen?

Das Internet stand noch in den Kinderschuhen und kaum einer nutzte es zu dieser Zeit. Also beschränkte sich mein Wissen über Börse auf das, was im Wirtschaftsblatt stand, das aber großteils nur den lokalen Aktienmarkt in Wien abdeckte und ein wenig Deutschland – irgendwie langweilig und auch die besprochenen Titel bewegten sich wenig oder in die falsche Richtung.  Das Ganze war irgendwie unbefriedigend. 0,5% hoch an einem Tag, 0,3% runter am nächsten. Das war nicht die Action, die ich wollte.

Denn sie wissen nicht was Sie tun

Ohne eine wirkliche Ahnung, was eine Aktienoption ist, kauften ein Arbeitskollege und ich, der übrigens heute Geschäftsführer einer Vermögensverwaltung ist, Optionen. Da konnte man die richtig „schnelle Kohle“ machen und es kam wie es kommen musste – wir verloren alles!

Das gibt’s doch nicht, alle gewinnen, nur wir loosen ab! Was läuft da falsch?

Der Umschwung kam mit dem Internet. Plötzlich eröffnete sich eine weltweite Informationsquelle und ich kam dahinter, dass es neben Flughafen Wien, Salzgitter oder Daimler noch tausende andere Firmen gab. Mit dem Internet kam auch der Neue Markt in Deutschland, die Zeit, in der es reichte, ein Büro mit drei Computern zu haben, um einen Börsenwert von mehreren hundert Millionen zu rechtfertigen – hauptsache die drei Computer hatten Internetanschluss. Es wurde massenhaft Geld verdient und auch massenhaft Geld verloren, als die Blase platzte.

Ich war dabei

Bergbau war out, Internet war in. Zahlreiche australische börsennotierte Minenunternehmen wurden kurzerhand umstrukturiert und machten irgendwas mit Internet. Auch bei einer glücklosen australischen Kohlebude munkelte man, dass diese vor der Umstrukturierung stand. Das geile daran war, dass man die Aktien um 1 Cent kaufen konnte, was seinerzeit der kleinstmögliche Preis an der Börse Frankfurt war. Der Kursmakler konnte diese zwar um 0,6 Cent in Australien kaufen und verdiente mit der Arbitrage ein Schweinegeld, aber das war allen egal und die warnenden Rufer in den Brokerboards wurden als Querulanten abgestempelt.

Es kam wie es kommen musste – ich hatte hunderttausende Greenwasauchimmer Minerals (Name vergessen oder verdrängt), der Deal platzte und man blieb im Kohlebusiness. Die Aktie wurde zur vermeintlichen Depotleiche. Witzigerweise machte ich mit dieser Aktie dann noch Gewinn, denn man verkaufte ein Kohlegebiet an ein anderes Unternehmen. Als Aktionär bekam man Aktien dieser Firma, die dann eine gewaltige Rallye hinlegte.

Die Liebe zu den Smallcaps war da, aber ich konnte mich nicht auf andere verlassen, das würde über lang oder kurz in den Ruin führen. Ich las und las und las, nächtelang! Studierte trotz meines unzureichenden Englisch die sogenannten Filings von australischen oder US Smallcaps und kam langsam dahinter, was die do’s und don’t’s bei dieser Kategorie der Aktien waren. Ich zockte mich regelrecht durchs Leben. Ich verlor immer noch Geld aber der Gewinn war größer als die Verluste.

Dann der irre Glücksgriff – SPEA

Einen Tag nach meinem 39. Geburtstag studierte ich die Pre-Market News in den USA. Meine Aufmerksamkeit fiel auf eine News, die besagte, dass der börsennotierte Firmenmantel Sports Entertainment Enterprises, Inc. (OTCBB: SPEA) eine bindende Vereinbarung unterzeichnet hat, eine Mehrheit an den Assets (Musikrechte und Gebäude) von Elvis übernehmen wird.

Am Vortag handelte die Aktie bei 10 Cent

Ich machte etwas im „jugendlichen Leichtsinn“, was ich heute nicht mehr machen würde, nahm meinen gesamten Bargeldbestand und orderte die Aktie noch vorbörslich mit 1,00 Dollar (US) Limit, also 1000% über dem Schlusskurs vom Vortag. Eigentlich vollkommen irre aber da ich einen Realtime-Zugang zum Orderbuch hatte, sah ich, wie sekündlich mehr und mehr Kaufdruck entstand.

To make a long story short, die Aktie lief an diesem Tag auf 7,50 Dollar (US, verkauft bei 6 Dollar). Das war der größte Tagesgewinn meiner kompletten Börsengeschichte.  Ich kaufte die Aktie noch ein paar Mal und verkaufte immer mit Gewinn. Im Mai desselben Jahres stand das Papier dann auf 25 Dollar (US). Von da an lief es richtig gut, 2005 gründete ich den bullVestor Börsenbrief, der schnell Anklang bei den Lesern gefunden hat, die die gleiche Passion wie ich hatten – Smallcaps mit außergewöhnlichen Wachstumschancen.

Ich bin weit weg von einem Guru und auch bei mir gehen heute noch Investments gewaltig in die Hose, speziell wenn man überzeugt von einer Story ist, sodass man nicht bereit ist, die Notbremse zu ziehen! Unter dem Strich muss es passen – und das passt. 2006 habe ich dann meinen Beruf als Elektriker an den Nagel gehängt und lebe seitdem von der Börse!

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